Kurzantwort: Was ist ein Permanentmagnet?
Ein Dauermagnet ist ein hartmagnetischer Werkstoff, der ein nutzbares Magnetfeld beibehält, nachdem das äußere Magnetisierungsfeld entfernt wurde. Zur Aufrechterhaltung dieses Feldes benötigt er keine kontinuierliche Stromversorgung.
“Permanent” bedeutet nicht, dass der Magnet niemals schwächer werden kann. Zu hohe Temperaturen, ein starkes entgegengesetztes Magnetfeld, Korrosion oder mechanische Beschädigungen können die Leistung mindern. In einem realen Produkt hängt das Ergebnis außerdem von Werkstoff, Geometrie, Magnetisierungsrichtung, Magnetkreis, Luftspalt und Betriebsbedingungen ab.
Für Ingenieure und Einkäufer lautet die entscheidende Frage nicht einfach: “Welcher Magnet ist am stärksten?”, sondern: Welcher Werkstoff und welche Ausführung des Fertigteils liefern am tatsächlichen Arbeitspunkt das erforderliche Feld, die erforderliche Kraft, das erforderliche Drehmoment oder Sensorsignal?
Was macht einen Magneten zu einem Permanentmagneten?
Permanentmagnete behalten ihre Magnetisierung bei, weil ihre magnetischen Domänen nach dem Entfernen des Magnetisierungsfeldes weiterhin vorzugsweise ausgerichtet bleiben. Werkstoffe, die für diesen Zweck entwickelt wurden, werden häufig als magnetisch harte Werkstoffe.
Zwei Eigenschaften sind besonders wichtig. Remanenz (Br) beschreibt die nach der Magnetisierung verbleibende magnetische Restflussdichte. Koerzitivfeldstärke beschreibt den Widerstand gegen die Entmagnetisierung durch ein entgegengesetztes Feld.
Ein geeigneter Permanentmagnet benötigt eine ausreichende Remanenz, um magnetischen Fluss bereitzustellen, und eine ausreichende Koerzitivfeldstärke, um in seiner Einsatzumgebung stabil zu bleiben. Entscheidend ist das richtige Verhältnis. Ein Werkstoff mit hoher Remanenz, aber unzureichender Entmagnetisierungsbeständigkeit kann in einem kurzen, offenen Magnetkreis oder bei erhöhter Temperatur eine ungeeignete Wahl sein.
Woraus bestehen Permanentmagnete?
In den meisten modernen technischen Anwendungen kommen vier Hauptfamilien von Permanentmagnetwerkstoffen zum Einsatz: Neodym-Eisen-Bor, Samarium-Kobalt, Ferrit und Alnico.
| Werkstofffamilie | Wichtigster technischer Vorteil | Wichtigste zu prüfende Einschränkung | Typische Auswahlorientierung |
|---|---|---|---|
| Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) | Sehr hohe magnetische Leistungsfähigkeit für kompakte Konstruktionen | Temperaturreserve, Korrosionsschutz und Sprödigkeit | Hohe Feldstärke oder Kraft auf begrenztem Bauraum |
| Samarium-Kobalt (SmCo) | Hohe thermische Stabilität und gute Korrosionsbeständigkeit | Höhere Materialkosten und sprödes mechanisches Verhalten | Hochtemperatur- oder anspruchsvolle Einsatzumgebungen |
| Ferrit / Keramik | Geringe Kosten und hohe Korrosionsbeständigkeit | Eine geringere magnetische Leistungsfähigkeit erfordert in der Regel ein größeres Volumen. | Kostenorientierte Konstruktionen mit größerem Volumen |
| Alnico | Hohe Remanenz und hohe Temperaturstabilität | Aufgrund der relativ geringen Koerzitivfeldstärke sind Geometrie und Entmagnetisierungsfelder wichtig. | Anwendungen mit stabilem Magnetfeld und geeigneter Magnetkreisgeometrie |
Gebundene und flexible Magnete sind eher als Fertigungswege denn als universelle fünfte Grundwerkstofffamilie zu betrachten. Magnetpulver wie Ferrit oder NdFeB können mit Polymerbindern kombiniert werden, um flexible Produkte, komplexe Formen oder mehrpolige Strukturen herzustellen. Der Nachteil ist in der Regel ein geringerer Magnetwerkstoffanteil als bei einem vergleichbaren dichten Material.
Eine umfassendere Klassifizierung finden Sie im OSENC-Leitfaden zu Magnetarten.
Neodym-Magnete
NdFeB ist die wichtigste Permanentmagnetfamilie für kompakte Hochleistungsprodukte. Es wird häufig eingesetzt, wenn Konstrukteure auf begrenztem Bauraum eine höhere magnetische Leistung benötigen.
Die höchste NdFeB-Magnetgüte ist deshalb jedoch nicht automatisch die beste Wahl. Die Wahl der Magnetgüte beeinflusst Werkstoffeigenschaften wie Remanenz, Koerzitivfeldstärke und maximales Energieprodukt. Das Ergebnis des fertigen Bauteils hängt jedoch weiterhin von den Abmessungen, der Magnetisierungsrichtung, dem Luftspalt, dem umgebenden Stahl, der Temperatur und der Montage ab.
OSENC konzentriert sich auf kundenspezifischen Neodym-Magneten und Magnetbaugruppen. Daher beschränken sich die Lieferantenhinweise auf dieser Seite bewusst auf NdFeB-Projekte, ohne den Eindruck zu erwecken, dass OSENC jede Permanentmagnetfamilie liefert.
Warum zwei Magnete aus demselben Werkstoff unterschiedliche Leistungen erzielen können
Die Werkstofffamilie ist nur die erste Ebene einer Permanentmagnetspezifikation. Zwei Bauteile, die lediglich als “NdFeB-Magnete” bezeichnet werden, sind nicht automatisch austauschbar, da die Bezeichnung der Werkstofffamilie weder Magnetgüte, Abmessungen, Magnetisierung und Temperaturreserve noch den das Bauteil umgebenden Magnetkreis festlegt.
Selbst innerhalb einer nominellen Werkstoffklasse hängen die magnetischen Eigenschaften von Zusammensetzung, Mikrostruktur und Verarbeitung ab. Die Werkstoffforschung an Hochleistungs-Permanentmagneten zeigt, dass bereits relativ geringe strukturelle Unterschiede die Koerzitivfeldstärke und das Entmagnetisierungsverhalten verändern können. Hintergrundinformationen zu diesen Zusammenhängen zwischen Mikrostruktur und Eigenschaften finden Sie in Forschungsarbeiten des Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien.
Das fertige Bauteil bringt eine weitere Ebene hinzu: Die Geometrie beeinflusst das Selbstentmagnetisierungsfeld, die Magnetisierungsrichtung verändert den Feldverlauf, der umgebende Stahl beeinflusst den Magnetkreis und der Arbeitsabstand bestimmt, welche magnetische Wirkung in der Anwendung tatsächlich zur Verfügung steht.
Welche Eigenschaften von Permanentmagneten sind für welche Entscheidung relevant?
| Eigenschaft | Beschreibung | Wichtigster konstruktiver Verwendungszweck | Was dieser Wert allein nicht aussagt |
|---|---|---|---|
| Br | Remanenzflussdichte nach der Magnetisierung | Vergleich der Fähigkeit eines Werkstoffs, magnetischen Fluss bereitzustellen | Oberflächenflussdichte in Gauss am Fertigteil oder Feldstärke im tatsächlichen Arbeitsabstand |
| HcB / Hcb | Gegenfeld, das erforderlich ist, um die magnetische Flussdichte B auf null zu reduzieren | Bewertung des B-H-Entmagnetisierungsverhaltens des Werkstoffs | Vollständige Beständigkeit gegen irreversible Entmagnetisierung |
| HcJ / Hcj | Gegenfeld, das erforderlich ist, um die magnetische Polarisation J auf null zu reduzieren | Bewertung der intrinsischen Beständigkeit gegen irreversible Entmagnetisierung | Kraft, Drehmoment oder Sensorausgangssignal des fertigen Bauteils |
| (BH)max | Maximales Energieprodukt des Werkstoffs | Magnetisches Energievermögen pro Volumeneinheit vergleichen | Exakte Magnetabmessungen oder Leistungsfähigkeit in der Anwendung |
| Oberflächenfeld / Gauss | Feldmessung an einer festgelegten Position auf oder in der Nähe eines fertigen Magneten | Eine definierte lokale Feldmessung überprüfen | Abreißkraft oder Feld bei einem anderen Abstand ohne Angaben zu Geometrie und magnetischem Kreis |
| Abreißkraft | Kraft unter bestimmten Prüfbedingungen | Halteleistung unter definierten Einspann- und Kontaktbedingungen prüfen | Leistung bei abweichendem Stahlgegenstück, Luftspalt, abweichender Beschichtung oder Ausrichtung |
Diese Unterscheidung ist keine rein formale Angelegenheit. Die IEC-Norm für hartmagnetische Werkstoffe definiert die Messung der magnetischen Flussdichte, der magnetischen Polarisation, der magnetischen Feldstärke und der Entmagnetisierungskurven. Siehe IEC 60404-5:2015. ASTM veröffentlicht außerdem ein Hysteresigraph-Prüfverfahren für hochkoerzitive Permanentmagnetwerkstoffe in ASTM A977/A977M.
Warum Magnetgüte oder Oberflächenfeld in Gauss allein nicht zur Auswahl eines Permanentmagneten ausreichen
Eine typische Angebotsanfrage lautet etwa: “Ich benötige N52” oder “Ich benötige 5.000 Gauss.” Keine der beiden Angaben reicht aus, um den fertigen Magneten eindeutig zu spezifizieren.
Ein an der Oberfläche gemessener Feldwert hängt von der Magnetform, der Magnetisierungsrichtung, der Messposition und dem Abstand der Sonde ab. Das nutzbare Feld in einem Sensor oder Motor wird häufig im Arbeitsabstand und nicht direkt an der Magnetoberfläche gemessen.
Die Abreißkraft hängt ebenso vom Prüfaufbau des Magnetkreises ab. Luftspalt, Dicke des Stahlgegenstücks, Kontaktfläche, Oberflächenbeschaffenheit und Ausrichtung können die gemessene Kraft verändern, obwohl der Magnet selbst unverändert bleibt.
Technische Wirkungskette
- Anforderung: Die Anwendung erfordert ein definiertes Feld, eine bestimmte Kraft, ein bestimmtes Drehmoment oder Sensorsignal.
- Geänderte Variable: Abmessungen, Polrichtung, Werkstoffgüte, Luftspalt oder umgebender Stahl ändern sich.
- Physikalischer Mechanismus: Der magnetische Kreis und der Arbeitspunkt ändern sich.
- Begrenzender Faktor: Der verfügbare Bauraum, das Entmagnetisierungsfeld, die Temperatur oder die Sättigung im benachbarten Stahl können die Auslegung begrenzen.
- Technische Konsequenz: Die gleiche Magnetgüte kann im fertigen Produkt zu unterschiedlichen Leistungsdaten führen.
- Beobachtbares Ergebnis: Feld oder Kraft am tatsächlichen Arbeitspunkt ändern sich.
- Prüfung: Den festgelegten Abstand, den Werkstoff des Gegenstücks und den Prüfaufbau kontrollieren.
- Vom Käufer anzugeben: Übermitteln Sie statt der alleinigen Angabe einer Magnetgüte oder eines Gauss-Werts das Funktionsziel und die Prüfbedingungen zusammen mit der Zeichnung.
Werkstoffdaten sind der Ausgangspunkt, nicht das Abnahmekriterium
Ein Werkstoffdatenblatt beschreibt die Leistungsfähigkeit des Magnetwerkstoffs unter definierten Prüfbedingungen. In der Anwendung kommt jedoch ein fertiges Bauteil innerhalb eines Magnetkreises zum Einsatz. Das Abnahmekriterium sollte daher in der Regel auf den Anforderungen der Baugruppe beruhen: ein Feld an einer definierten Position, eine Kraft in einer definierten Prüfvorrichtung, ein Drehmoment über einen festgelegten Luftspalt oder ein anderes messbares funktionales Ergebnis.
Eine ausführlichere Erläuterung zur Messposition finden Sie unter Gauss-Wert des Magneten.
Temperatur: Einsatztemperatur ist nicht Curie-Temperatur
Die Einsatztemperatur ist der Temperaturbereich, den der fertige Magnet überstehen muss und in dem er weiterhin die Anforderungen der Anwendung erfüllt. Die Curie-Temperatur ist eine materialspezifische Übergangstemperatur, bei der die ferromagnetische Ordnung verloren geht. Diese Begriffe sind nicht austauschbar.
Ein Magnet kann bereits vor Erreichen seiner Curie-Temperatur unzulässig hohe reversible oder irreversible magnetische Verluste erleiden. Das Risiko hängt von der Werkstofffamilie, der Magnetgüte, der Geometrie, dem Arbeitspunkt des Magneten und dem äußeren Magnetkreis ab.
Bei NdFeB ist die intrinsische Koerzitivfeldstärke besonders wichtig, wenn die Konstruktion erhöhten Temperaturen oder einem Gegenfeld ausgesetzt ist. Eine für höhere Temperaturen ausgelegte Magnetgüte kann die Entmagnetisierungsreserve erhöhen, aber auch andere Werkstoffeigenschaften und die Kosten beeinflussen. Die Temperatur allein bestimmt daher nicht die endgültige Magnetgüte.
Definieren Sie Dauertemperatur, Spitzen- oder Störfalltemperatur, Einwirkdauer, nahe gelegene Gegenfelder, Magnetgeometrie, Luftspalt und die erforderliche Leistung nach der thermischen Belastung. OSENC bietet eine separate Erläuterung zu Wie sich die Temperatur auf die Magnetkraft auswirkt.
Permanentmagnet vs. Elektromagnet
Ein Dauermagnet erzeugt ein dauerhaftes Magnetfeld ohne kontinuierliche elektrische Erregung. Ein Elektromagnet erzeugt sein Feld durch elektrischen Strom, der durch eine Spule fließt.
| Entscheidungskriterium | Permanentmagnet | Elektromagnet |
|---|---|---|
| Kontinuierliche elektrische Leistung zur Felderzeugung | Nicht erforderlich | Erforderlich |
| Einfaches Ein-/Ausschalten | Nein | Ja |
| Feldanpassung während des Betriebs | Ohne mechanische Änderungen oder Änderungen am Magnetkreis nur eingeschränkt möglich | Über den Strom und die Auslegung des Stromkreises steuerbar |
| Wärmeentwicklung durch Erregerstrom | Keine Wärmeentwicklung im Magneten selbst | Spulenverluste können Wärme erzeugen |
| Wesentliche Auslegungsrisiken | Entmagnetisierung, Temperatur, Geometrie, Korrosion, Montage | Spulenerwärmung, Stromversorgung, Isolierung, Ansteuerung und Magnetkreis |
Keine der beiden Lösungen ist grundsätzlich besser. Verwenden Sie einen Permanentmagneten, wenn ein ständig verfügbares Magnetfeld und eine kompakte passive Feldquelle vorteilhaft sind. Verwenden Sie einen Elektromagneten, wenn das Schalten oder die aktive Regelung des Magnetfelds unverzichtbar ist.
Anwendungen von Permanentmagneten: Was beeinflusst die Auswahl?
Permanentmagnete werden in Motoren, Generatoren, Sensoren, Lautsprechern, Magnetkupplungen, Haltesystemen, Unterhaltungselektronik und industriellen Baugruppen eingesetzt. Die Anwendungsbezeichnung beschreibt die Funktion, definiert jedoch nicht den konkreten Magneten.
| Anwendungsbedingungen | Wesentliche magnetische Anforderung | Zu prüfende Auslegungskriterien |
|---|---|---|
| Elektromotoren und Generatoren | Beitrag von Magnetfluss und Drehmoment in einem rotierenden Magnetkreis | Temperatur, Entmagnetisierungsreserve, Geometrie, Polanordnung und umgebender Stahl |
| Sensoren und Encoder | Stabiles Magnetfeld oder Feldmuster an einer definierten Messposition | Arbeitsabstand, Toleranzkette, Magnetisierungsrichtung und Positionswiederholgenauigkeit |
| Lautsprecher und Aktoren | Stabiles Vorspannfeld, das mit einem bewegten oder stromführenden Element wechselwirkt | Spaltgeometrie, Feldhomogenität, Temperatur und Montagetoleranzen |
| Halte- und Verriegelungsbaugruppen | Anziehungskraft über ein Stahlgegenstück oder einen Magnetkreis | Luftspalt, Stahlgegenstück, Kontaktfläche, Beschichtung, Ausrichtung und Löseanforderung |
| Magnetkupplungen | Drehmomentübertragung durch eine physische Barriere oder über einen definierten Spalt | Spalt, Polzahl, Geometrie, Temperatur und Sicherheitsreserve gegen Entmagnetisierung |
Deshalb ist “Magnet für einen Motor” oder “Magnet für einen Sensor” keine genaue Spezifikation. Zwei Produkte mit derselben Anwendungsbezeichnung können unterschiedliche Werkstofffamilien, Magnetgüten, Abmessungen und Polanordnungen erfordern, da sich ihre Magnetkreise und Einsatzbedingungen unterscheiden. Siehe Motor und Permanentmagnet zu diesem speziellen Thema.
Auswahl eines Permanentmagneten für ein Entwicklungsprojekt
1. Gewünschtes magnetisches Ergebnis definieren
Geben Sie an, welche Funktion der Magnet erfüllen muss: Magnetfeld an einem Sensor, Haftkraft, Drehmoment, Haltekraft, magnetischer Fluss in einem Spalt oder eine andere messbare Funktion.
2. Geometrie und Arbeitsabstand definieren
Geben Sie den verfügbaren Bauraum, den Luftspalt, den umgebenden Stahl, den Gegenwerkstoff und die beweglichen Schnittstellen an. Das Magnetfeld nimmt mit zunehmendem Abstand ab; daher ersetzt eine Messung an der Oberfläche nicht die Messung am Arbeitspunkt.
3. Temperaturbedingungen definieren
Erfassen Sie Normal-, Spitzen- und Störfalltemperaturen. Verwenden Sie die Curie-Temperatur nicht als Auslegungsgrenze.
4. Umgebungsbedingungen definieren
Feuchtigkeit, Salz, Chemikalien, Abrieb und Montageprozesse können die Wahl der Beschichtung oder des Werkstoffs beeinflussen. Bei NdFeB-Projekten ist häufig ein gezielter Korrosionsschutz erforderlich. OSENCs Beschichtung für Neodym-Magnete Leitfaden behandelt die wesentlichen Entscheidungsfaktoren für die Beschichtung.
5. Magnetisierungsrichtung und Polanordnung definieren
Eine axiale, diametrale, radiale oder mehrpolige Magnetisierung kann bei gleicher äußerer Form sehr unterschiedliche Feldverläufe erzeugen. In der Zeichnung sollten die erforderliche Polrichtung oder der funktionale Feldverlauf angegeben sein. Siehe Richtung des Magnetfelds.
6. Definieren Sie, wie die Leistung verifiziert wird
Eine aussagekräftige Spezifikation nennt die Prüfbedingungen. Je nach Projekt können dies eine Maßprüfung, eine Magnetfeldmessung an einer definierten Position, die Messung der Haftkraft unter definierten Bedingungen oder eine Validierung auf Baugruppenebene sein.
Fünf zu vermeidende Abkürzungen bei der Magnetauswahl
Viele fehlerhafte Spezifikationen entstehen durch eine Abkürzung im Auswahlprozess, bei der die Einsatzbedingungen außer Acht gelassen werden. Diese fünf sind besonders riskant:
| Abkürzung | Warum sie nicht funktioniert | Besseres Vorgehen bei der Beschaffung |
|---|---|---|
| Nur nach der Magnetgüte auswählen | Eine höhere Magnetgüte verändert das Leistungsvermögen des Werkstoffs, behebt jedoch keine Einschränkungen durch Geometrie, Luftspalt oder Magnetkreis. | Definieren Sie zuerst das Funktionsziel und den verfügbaren Bauraum. |
| Nur nach dem Gauss-Wert an der Oberfläche auswählen | Ein Messwert an der Oberfläche entspricht nicht dem Magnetfeld an einem Sensor oder in einem anderen Arbeitsabstand. | Geben Sie die Messposition und das dort erforderliche Magnetfeld an. |
| Nur anhand der Abreißkraft auswählen | Die Abreißkraft hängt vom Stahlgegenstück, der Kontaktfläche, der Beschichtung, der Ausrichtung und dem Luftspalt ab. | Legen Sie die Prüfvorrichtung und die Kontaktbedingung fest. |
| Nur anhand der Temperaturbeständigkeit auswählen | Das Risiko einer Entmagnetisierung hängt ebenfalls von der Magnetwerkstoffgüte, der Geometrie, den Gegenfeldern und dem Arbeitspunkt ab. | Geben Sie Dauer-, Spitzen- und Störfalltemperatur zusammen mit dem magnetischen Zustand an. |
| Einen Magneten aus einer ähnlichen Anwendung übernehmen | Hinter derselben Anwendungsbezeichnung können sich ein anderer Luftspalt, eine andere Polanordnung, ein anderes Gehäuse oder ein anderer Magnetkreis verbergen. | Vergleichen Sie die tatsächliche Zeichnung und die Abnahmebedingungen, nicht nur die Anwendungsbezeichnung. |
Welche Angaben OSENC für eine Angebotsanfrage zu einem kundenspezifischen NdFeB-Magneten benötigt
Senden Sie für einen kundenspezifischen Neodym-Magneten oder eine Magnetbaugruppe die Angaben, die sich auf Auslegung, Fertigungsprozess, Prüfverfahren oder Preis auswirken:
- Zeichnung, Form und Abmessungen;
- für die Montage relevante Maßtoleranzen;
- Zielwert für Magnetfeld, Kraft oder Drehmoment bzw. Sensoranforderung einschließlich Messbedingung;
- Arbeitsabstand oder Luftspalt;
- gegebenenfalls Dauer-, Spitzen- und Störfall-Betriebstemperatur;
- Umgebungsbedingungen und Korrosionsbelastung;
- Magnetisierungsrichtung oder Polanordnung;
- Vorgaben zu Stahlgegenstück, Klebstoff, Gehäuse oder Montage;
- Prototyp sowie erwartete Produktionsmenge;
- erforderliche Prüfung oder Abnahmeprüfung.
Diese Angaben bilden eine praxisgerechte Grundlage, um mit OSENC die Werkstoffgüte, Beschichtung, Toleranz, Magnetisierung und das Vorgehen zur Validierung zu besprechen. Falls die Konstruktion noch unvollständig ist, beginnen Sie mit dem Funktionsziel und der Zeichnung, anstatt auf Verdacht den “stärksten” Magneten auszuwählen.
Senden Sie Angaben zu Geometrie, Luftspalt, Temperatur, Umgebung und Prüfbedingungen, damit die Abstimmung auf den tatsächlichen konstruktiven Randbedingungen basiert.
Technische Prüfung anfordernFAQ
Sind Permanentmagnete wirklich permanent?
Bei Betrieb innerhalb geeigneter thermischer, magnetischer, umgebungsbedingter und mechanischer Grenzen können sie ihre nutzbare Magnetisierung über lange Zeiträume beibehalten, sind jedoch nicht gegen Entmagnetisierung immun. Zu hohe Temperaturen, starke Gegenfelder, Korrosion oder Beschädigungen können die Leistung verringern.
Aus welchem Material besteht ein Permanentmagnet?
Die wichtigsten technischen Werkstofffamilien sind NdFeB, SmCo, Ferrit und Alnico. Gebundene und flexible Magnete basieren auf Fertigungsverfahren, bei denen Magnetpulver wie Ferrit oder NdFeB mit Polymerbindemitteln verarbeitet werden können.
Welcher Permanentmagnettyp ist der stärkste?
NdFeB weist bei Raumtemperatur unter den gängigen kommerziellen Permanentmagnetwerkstoffen im Allgemeinen das höchste Energieprodukt auf und ist dadurch für kompakte Hochleistungsauslegungen wertvoll. Das bedeutet jedoch nicht, dass die höchste NdFeB-Magnetgüte automatisch für jede Temperatur, Geometrie oder jeden magnetischen Kreis die beste Wahl ist.
Kann ein Permanentmagnet seine Magnetkraft verlieren?
Ja. Temperatur, entgegenwirkende Magnetfelder, Korrosion, mechanische Beschädigungen und ein ungünstiger Arbeitspunkt können die nutzbare Leistung verringern. Das geeignete Prüfverfahren hängt von der Anwendung ab.
Ist der fertige Magnet bei einer höheren Magnetgüte immer stärker?
Nein. Die Magnetgüte beschreibt das Leistungsvermögen des Werkstoffs, während die Leistung des fertigen Magneten auch von den Abmessungen, der Magnetisierung, dem Luftspalt, dem umgebenden Stahl, der Temperatur und der Messposition abhängt. Eine höhere Güte kann wirkungslos bleiben, wenn ein anderer Teil des Magnetkreises der begrenzende Faktor ist.
Worin unterscheidet sich ein Permanentmagnet von einem Elektromagneten?
Ein Dauermagnet behält sein Magnetfeld ohne kontinuierliche Stromversorgung bei. Ein Elektromagnet erzeugt ein Feld, wenn Strom durch eine Spule fließt; daher lässt sich sein Feld leichter ein- und ausschalten oder einstellen.
Ben — Osenc
Ben verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Permanentmagnetindustrie und arbeitet seit 2019 mit Osenc zusammen. Sein Schwerpunkt liegt auf kundenspezifischen NdFeB-Magneten, magnetischem Zubehör und Magnetbaugruppen.
Er unterstützt Kunden dabei, Anforderungen an Werkstoff, Beschichtung, Magnetisierung, Prüfung und Produktion eindeutig festzulegen. Dadurch werden Missverständnisse in der Kommunikation und unnötige Iterationen bei der Musterfertigung reduziert.


